Bochum ist überall - ein offener Brief an Nokia
Januar 30th, 2008Der folgende Aufruf des PSI Freundeskreises erreichte uns heute: Der Journalist Oliver Köhler hat einen offenen Brief an den NOKIA-Vorstand gesandt. Nachfolgend zwei Mailadressen vom Deutschlandbeauftragen und dem Boss der Bosse von NOKIA. Wir würden uns freuen, wenn Ihr Euch mit einer Mail gegen die “Kapitalnomaden” anschließt. Protest bitte an den Deutschlandbeauftragten von Nokia:
veli.sundback@nokia.com - Und an den Boss der Bosse: olli-pekka.kallasvuo@nokia.com.
Der offene Brief im Wortlaut …
Sehr geehrter Herr Sundbäck,
anlässlich der Pressekonferenz der Nokia Corporation haben Sie am 15 Januar in Düsseldorf erklärt, der Nokia-Standort Bochum sei nicht wettbewerbsfähig und müsse deshalb geschlossen werden. Der Schritt sei unausweichlich. Mehr als 2.300 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden ihre Jobs verlieren.
Auf Nachfragen von Journalisten haben sie nicht erklären können oder wollen, worin denn genaue die Wettbewerbsnachteile des Standorts Bochum bestehen. Sie haben nur allgemein auf die Arbeitskosten in Deutschland hingewiesen.
Dabei spielen, wie Sie wissen, Arbeitskosten bei der Produktion von Mobiltelefonen nur eine geringe Rolle. Zwischen 4 und 5 Prozent der Gesamtkosten sind Arbeitskosten. Ihr Argument erscheint mir deshalb nicht stichhaltig.
Nach den der Öffentlichkeit vorliegenden Informationen erwirtschaftet das Werk in Bochum keine Verluste, sondern im Gegenteil Gewinne.
Es gibt verschiedene Angaben, unter anderen des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, denen zufolge Nokia für die Ansiedlung in Bochum Subventionen erhalten hat. Nun locken an Standorten in Osteuropa Subventionen. Dies sei der eigentliche Grund für die Verlagerung der Produktion und damit der Arbeitsplätze.
Welchen Grund Sie, sehr geehrter Herr Sundbäck, auch immer haben, 2.300 Nokia-Mitarbeiter und wahrscheinlich weitere 2.000 bei Zeitarbeitsfirmen und Zulieferern in die Arbeitslosigkeit zu schicken - es stellt sich die Frage nach der unternehmerischen Verantwortung.
Nokia bekennt sich in seiner Werbung ausdrücklich zu sozialer, ökologischer und ethischer Verantwortung. So heißt es auf Ihrer Homepage unter anderem: “Teamgeist, Respekt vor dem Einzelnen, Fairness und offene Kommunikation sind bei Nokia gelebte Werte”.
Vor dem Hintergrund Ihrer Standortentscheidung erscheinen solche Sätze als hohle Werbeformeln. Der Versuch, mit Botschaften wie dieser bei Kunden zu punkten, wird in Deutschland und auch andernorts nicht mehr gelingen.
Nokia verspielt nicht nur hier bei uns seinen guten Namen. Überall auf der Welt müssen Nokia-Mitarbeiter fürchten, wegen kurzfristiger Renditeerwartungen des Nokia-Vorstandes ihre Existenz zu verlieren.
Meine Mitarbeiter, meine Familie und ich ziehen aus Ihrem Verhalten die Konsequenzen:
WIR KAUFEN KEINE PRODUKTE VON NOKIA MEHR.
Das gilt, bis sie ihre Entscheidung zu Bochum rückgängig gemacht haben.
Mit freundlichen Grüßen
Oliver Köhler
Journalistenbüro













